Wie kleine Schritte wirklich wirken

Wir wissen meistens sehr genau, was uns guttun würde: Mehr Bewegung. Mehr Ruhe. Mehr Fokus. Weniger Aufschieben.

Und trotzdem bleiben viele gute Vorsätze genau das: Vorsätze.

Wir blockieren uns – ohne es zu wollen

Man nimmt sich etwas vor – und findet sich wenig später bei ganz anderen, bequemeren Tätigkeiten wieder. Nicht, weil wir faul sind, sondern weil unser Gehirn auf Effizienz getrimmt ist. Es liebt Bekanntes. Es liebt einfache Abläufe. Und es vermeidet alles, was nach Anstrengung, Unsicherheit oder Überforderung aussieht.

Der innere Schweinehund ist deshalb kein Gegner. Er ist ein Hinweis darauf, dass unser Vorhaben im Alltag so nicht funktionieren kann.

Der grosse Denkfehler bei Veränderung

Wir formulieren Ziele oft zu gross:

„Ich will regelmässig Sport machen.“

„Ich will achtsamer leben.“

„Ich sollte endlich …“

Das klingt motivierend – ist aber für unser Gehirn extrem unscharf und anstrengend.

Tiny Habits – nicht alles ändern, sondern winzig beginnen

Die Idee ist radikal einfach:

  • Nicht dein Leben neu organisieren.

  • Nicht deine Willenskraft trainieren.

  • Sondern den Einstieg so klein machen, dass er fast lächerlich wirkt.

Zum Beispiel:

  • ein bewusster Atemzug, bevor du dein Handy entsperrst

  • ein Glas Wasser nach dem Aufstehen

  • eine Minute Bewegung

  • ein einziger Satz in ein Notizbuch

So klein, dass dein innerer Widerstand gar nicht erst anspringt. Und genau darin liegt die Stärke.

Warum kleine Schritte so wirksam sind

Psychologisch passiert etwas Entscheidendes, wenn du sehr klein startest: Du erlebst dich nicht mehr als jemand, der ständig etwas vorhat – sondern als jemand, der beginnt.

Diese Erfahrung von Ich kann etwas umsetzen ist viel wichtiger als die konkrete Handlung selbst.

Nicht die eine Minute Bewegung verändert dein Leben, sondern dass du ins Tun kommst.

Zwei Perspektiven – ein gemeinsamer Punkt

Gewohnheiten können sich unterschiedlich anfühlen – je nach Lebensphase, Belastung und innerem Druck.

Rachel (47) erlebt Routinen oft im Spannungsfeld von Tempo, Erwartungen und vielen parallelen Aufgaben.

Elisabeth (67) bringt eine andere innere Stimme mit: „Eigentlich müsste ich es doch inzwischen besser können.“

Beide Perspektiven führen zum gleichen Schluss:

Veränderung scheitert selten an Einsicht. Sie scheitert fast immer am Einstieg.

Der innere Schweinehund ist ein Design-Problem

Widerstand bedeutet meistens:

  • der Schritt ist zu gross,

  • der Moment ist schlecht gewählt,

  • die neue Gewohnheit ist nicht mit dem Alltag verbunden.

Also nicht mangelnde Disziplin, sondern fehlendes Gewohnheits-Design.

Eine kleine Übung aus der Episode

Nimm dir kurz Zeit für diese eine Frage:

Was ist die kleinstmögliche Version von dem, was ich eigentlich verändern möchte?

Nicht: „Ich bewege mich mehr.“

Sondern: „Ich stehe auf und bewege mich 60 Sekunden.“

Nicht: „Ich will ruhiger werden.“

Sondern: „Ich atme einmal bewusst aus, bevor ich den Laptop öffne.“

Verbinde diesen Mini-Schritt mit etwas, das du ohnehin schon tust: nach dem Zähneputzen, nach dem ersten Kaffee, vor den Mails.

Das reicht für heute.

Fazit

Der innere Schweinehund verschwindet nicht. Aber du kannst aufhören, gegen ihn anzukämpfen – und stattdessen deinen Einstieg so gestalten, dass er dich nicht blockiert.

Nicht mit mehr Druck. Nicht mit besseren Vorsätzen. Sondern mit einem einzigen, kleinen Schritt.

👉 Die ganze Folge hörst du im Podcast FocusFuture – Zwei Generationen sprechen über die Zukunft

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